Angel Investments für Start-ups

Für Start-ups und junge Unternehmen mit ambitionierten Plänen stellt nicht selten die initiale Finanzierung eine Herausforderung dar. Je innovativer ein Produkt ist, desto schwerer fällt es, Banken und andere institutionelle Anleger davon zu überzeugen. Gerade im konservativen Deutschland gelten Investitionen in Start-ups als zu riskant. Mit Blick auf die Tatsache, dass nur jedes zweite neu gegründete Unternehmen nach fünf Jahren wirtschaftlich arbeitet oder überhaupt noch existiert, ist das grundsätzlich nachvollziehbar. Die fehlende Risikofreude der großen Kreditgeber bedeutet aber eben auch, dass es für Gründerinnen und Gründer schwer ist, das nötige Kapital für die ersten Geschäftsjahre einzuwerben. Eine Möglichkeit, dem zu begegnen, ist die Zusammenarbeit mit sogenannten Angel Investors oder Business Angels. Das sind wohlhabende Individuen oder kleine Investorengruppen, die sich auf die Investition in vielversprechende, innovative Start-ups spezialisieren.

Was sind Angel Investoren genau?

Business Angels sind vergleichsweise wohlhabende Einzelinvestorinnen oder -investoren, die die Möglichkeit haben, nennenswerte Geldbeträge in kleine Unternehmen zu investieren. Dabei ist nur schwer abzugrenzen, ab welchem Investitionsvolumen von einem Angel Investor die Rede sein kann. Im angelsächsischen Raum werden meist Menschen ab einem liquiden Anlagevermögen von etwa einer Million US-Dollar als Engel eingeordnet. Für Gründerinnen und -Gründer bedeutet das, dass sich die möglichen Investitionen von Angeln zwischen den Möglichkeiten von Friends-and-Family-Investitionen und dem Potenzial einer Series-A-Investitionsrunde bewegen. Je nach Größe einer Business-Angel-Investition, Unternehmenserfolg und Expansionstempo reichen Angel Investments meist aus, um das erste Unternehmensjahr zu finanzieren. Danach sind unter Umständen weitere Investitionen möglich. In den USA werden Investorinnen und Investoren ab einer Investitionssumme von 500.000 US-Dollar als Super-Angel geführt: Das mag eine Vorstellung vom typischen Investitionsvolumen regulärer Business Angels geben. In Deutschland sind Investitionen zwischen 50.000 und 250.000 Euro durch Einzelinvestoren üblich. Start-ups, die größeren Kapitalbedarf haben, müssen typischerweise versuchen, das Geld bei mehreren Investmentpartnern einzuwerben.

Zugleich ist es wichtig, bei einer ersten Finanzierung eine realistische Vorstellung vom Wert des eigenen Start-ups zu haben. Faktoren wie die (potenzielle) Kundenbasis, ein einzigartiges, patentiertes Produkt oder bereits in das Unternehmen eingebrachte eigene Investitionen spielen dabei eine Rolle. Da die Investition eines Angels praktisch bedeutet, dass dieser einen Teil des Start-ups erwirbt, ergibt sich aus der Bewertung der Anteil, den der Engel kauft. Einigen die Gründer sich zum Beispiel mit einer Investorin auf eine Bewertung von einer Million Euro und eine Investition von 100.000 Euro, bedeutet das den Verkauf von 10 % des Unternehmens.

Angel Investors sind häufig Menschen, die einen unternehmerischen Hintergrund haben und ihr Geld selbst als Gründerinnen und Gründer oder als Executives in einem größeren Unternehmen verdient haben. Mit ihren Investitionen in Neugründungen geht daher häufig eine gewisse Beratung einher. Mit ihrer Erfahrung können die Investoren unerfahrenen Gründern wertvolle Hinweise geben, wie sie das Unternehmen in der jeweiligen Branche positionieren sollen. Auch kann er gegebenenfalls Kontakt zu weiteren Geldgebern und anderen Geschäftspartnern herstellen. Die Kehrseite dieser Medaille besteht darin, dass die Engel mit ihrer Beratung oft natürlich Einfluss auf die Ausrichtung des Unternehmens haben. Wer sich als Start-up-Gründerin oder -Gründer von einer einzelnen Investorin oder einem einzelnen Investor abhängig macht, sollte im Vorhinein abklären, welchen Einfluss der Business Angel auf das Start-up ausüben will. Gerade bei größeren Beteiligungen und mit Blick auf einen potenziellen Exit des Investors (siehe weiter unten) ist das wichtig. Wer Zugang zu mehr als einem Geldgeber hat, kann die Abhängigkeit reduzieren.

Angel-Investment-Gruppen

Inzwischen schließen sich Business Angels oft zu Angel-Investment-Gruppen zusammen. Das Ziel dieser Zusammenschlüsse ist es, so flexibel und innovationsfreudig zu bleiben wie andere Angel Investoren, zugleich aber eine bessere Streuung der Investitionsrisiken zu ermöglichen. Angel-Investment-Gruppen sind oft auf spezielle Branchen wie den Digital- oder Tech-Bereich spezialisiert. Als Gründerin oder Gründer Zugang zu einer solchen Gruppe zu erhalten, kann sehr lohnend sein. Insbesondere, weil hier neben den finanziellen Ressourcen die übrigen Kapazitäten eines Einzelinvestors ebenfalls vielfach vorhanden sind. Umgekehrt steigt häufig aber auch die Anzahl der Anforderungen an die Gründerinnen und Gründer. Denn obgleich der Wunsch nach Flexibilität beim Zusammenschluss mehrerer Angel meist im Mittelpunkt steht, kommt es natürlich zu einer gewissen Formalisierung und die Risikobereitschaft sinkt.

Welche Rentabilität erwarten Angel Investoren von einem Start-up?

Start-ups haben es, wenn es um Kredite bei Banken und anderen konventionellen Investoren geht, oft nicht leicht. Das Risiko, dass ein Start-up binnen kurzer Zeit wieder von der Bildfläche verschwindet ist hoch. Business Angels preisen das in ihre Kalkulation ein und investieren oft in hochriskante Ideen und Gründungen. Das Kalkül dahinter ist, dass auch wenn viele der Start-ups niemals die Rentabilitätsschwelle erreichen, es ausreicht, wenn sich wenige der Investitionen vervielfachen. Der Traum als früher Investor bei einem Unicorn einzusteigen, mag viele Angel-Investoren antreiben, typischerweise besteht aber der Anspruch, den Wert der Anteile an einem erfolgreichen Start-up etwa zu verzehnfachen. Über eine Reihe von Finanzierungen ergibt sich bei typischen Angel Investments damit ein Rentabilitätsfaktor von etwa 2,5. Damit ist Angel-Investing mit anderen Venture-Kapital-Investitionen konkurrenzfähig.

Wie funktioniert der Exit eines Angels?

Business Angels und Angel-Investment-Gruppen erwerben mit ihrer Investition typischerweise fixe Anteile an einem noch jungen Start-up. Anders als bei den Aktien etablierter Unternehmen besteht nicht ohne Weiteres die Möglichkeit, diese weiterzuverkaufen. Auch Dividendenzahlungen oder Gewinnbeteiligungen sind während der ersten Jahre des Geschäftsbetriebs kaum zu erwarten. Die beiden typischsten Exit-Varianten für die frühen Investoren bestehen daher darin, entweder auf ein IPO zu warten oder darauf hin zu wirken, das Unternehmen an einen Konkurrenten zu verkaufen. Für Start-up-Gründerinnen und -Gründer, die aus Überzeugung hinter ihrem Start-up stehen und weil sie an ihr Produkt glauben, kann zumindest die zweite Variante einen unangenehmen Beigeschmack haben. Bei den Verhandlungen mit einer potenziellen Investorin sollte das Thema Exit daher auf jeden Fall angesprochen werden.

Wie seriös sind Angel Investments?

Grundsätzlich sind Angel Investments ein absolut seriöses Feld. Im angelsächsischen Raum werden vor allem Tech-Start-ups inzwischen zum allergrößten Teil auf diese Weise erstfinanziert. Gleichwohl ist es wichtig, anzusprechen, dass, wo viel Geld im Umlauf ist, oft auch windige Geschäftemacher unterwegs sind. Wer als Gründungsteam auf der Suche nach finanzkräftigen Investmentpartnern ist, sollte daher eine gewisse Vorsicht walten lassen. Sich damit zu beschäftigen, in welche anderen Unternehmen ein potenzieller Partner investiert ist oder war, ist daher wichtig. Auch die Art und Anzahl der erfolgreichen Exits kann Hinweise darauf geben, wie der Angel Geschäfte macht. Wenn es Gründerinnen und Gründern nicht primär um schnelles Geld geht, sondern darum ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, ist es wichtig, einen Investmentpartner zu finden, der das unterstützt. Dennoch kann natürlich auch ein Investor, der auf einen raschen Exit und die Übernahme durch einen Konkurrenten setzt, ein seriöser Geschäftspartner sein. Wichtig ist vor allem, dass die Gründer und Investoren sich von Anfang an darüber einig sind, wie die Partnerschaft funktionieren soll und welche roten Linien es gibt.

Wie wird der Kontakt zwischen Gründern und Engeln hergestellt?

Für Start-up-Gründerinnen mit Finanzbedarf ist die Frage, wie der erste Kontakt zu einem Business Angel hergestellt werden kann häufig entscheidend. Wer nicht gerade als Serial-Entrepreneur unterwegs ist, hat oft noch nicht die notwendigen Kontakte in die Szene. In den letzten Jahren sind aber verschiedene Möglichkeiten entstanden, mit denen der Kontakt vereinfacht wird. So gibt es etwa regionale Pitching-Events, bei denen Gründerinnen und Gründer ihre Unternehmen einer Gruppe von möglichen Investoren präsentieren. Ein wenig kann man sich das wie eine seriöse Variante von Fernsehsendungen wie Dragon’s Den, Shark Tank oder der deutschen Höhle der Löwen vorstellen. Zudem gibt es mit dem Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) ein zentrales Netzwerk, in dem sich viele potenzielle Investoren zusammengeschlossen haben. Im englischsprachigen Raum existieren zudem auch erste Online-Plattformen, die ähnlich wie Crowd-Investment-Services funktionieren, aber den Investment-Zugang nur finanzkräftigen Einzelpersonen ermöglichen.

Diese Branchen sind für Business Angels spannend

Für Angel Investors sind vor allem innovative und skalierbare Unternehmen spannend. Daher stehen momentan primär Technologie- und Online-Produkte im Fokus vieler potenzieller Investorinnen und Investoren. Fintechs, Mobile-Commerce- und Subskriptionsdienste sammeln beispielsweise eine Menge Geld ein. Der Gesundheits- und Energiebereich sind bei Business Angels ebenfalls beliebt. Grundsätzlich ist es aber auch in etablierteren Branchen möglich, Engel für ein Produkt zu begeistern, sofern es innovativ ist und ein vielversprechendes Geschäftsmodell dahinter steht.